Monika Christen - Pfuusbus

Mitarbeiterin Brot-Egge

Monika Christen

Monika Christen arbeitete sieben Jahre im Ur-Dörfli. Seit Sommer 2014 ist sie Mitarbeiterin im Brot-Egge. Hier ist sie unter anderem Leiterin für den Pfuusbus.

Seit über sechs Jahren arbeitet Monika Christen für die Sozialwerke Pfarrer Sieber. In der Suchthilfeeinrichtung Ur-Dörfli beim Bahnhof Pfäffikon (ZH) machte sie Nachtwachen und Wochenenddienste. Das sind für viele Menschen nicht gerade Traumvorstellungen von Arbeitszeiten. Der Mutter zweier Kinder machten sie nichts aus. Im Gegenteil: „Ich finde, dass diese Zeiten enorm reizvoll und herausfordernd waren. Ich schätzte sie sehr.“ Diese Begeisterung erstaunt erst recht, wenn man Monika Christens beruflichen Werdegang kennt. Vor ihrer SWS-Zeit war sie Angestellte in einer renommierten Privatbank. Den Weg zu den SWS fand sie zufällig. Als sie während Monaten unfallbedingt nicht arbeiten konnte, suchte sie sich eine vorübergehende Beschäftigung, bis sie wieder voll in den Erwerbsalltag einsteigen wollte. „Ich suchte Beschäftigung, auch weil mein Partner fand, ich solle etwas tun, sonst würde ich zu Hause bloss ungeniessbar“, schmunzelt Monika Christen. Dass es etwas Sinnvolles sein sollte, wurde ihr bald klar. „Ich wollte mit Menschen zu tun haben.“ So surfte sie im Internet und fand die SWS. „Weil ich aber auf den falschen Knopf drückte, kam ich nicht auf die Seite für die Freiwilligenarbeit, sondern auf die der offenen Stellen.“ Sie sah, dass im Ur-Dörfli eine 40-Prozent-Stelle als Nachtwache und Wochenendbetreuerin ausgeschrieben war. Sie fand, dass das wunderbar passe und bewarb sich. Mit Erfolg. „Betriebsleiter George Angehrn fand zwar, dass ich überqualifiziert sei. Weil ich aber unbedingt wollte, stellte er mich ein“, sagt sie. Dieser „falsche“ Knopfdruck sollte ihr Leben verändern.

Die Bankkarriere an den Nagel gehängt

Das Engagement im Ur-Dörfli wurde für Monika Christen zum Volltreffer. Ihre Bankkarriere hängte sie an den Nagel und arbeitete fortan im Ur-Dörfli. Die Arbeit mit Menschen gefiel ihr so, dass sie 2010 berufsbegleitend die Ausbildung zur Sozialbegleiterin begann. Nach drei Jahren schloss sie die Ausbildung ab. Nach sieben Jahren im Ur-Dörfli und mit der neuen Ausbildung war für sie der Moment gekommen, sich nach einer neuen Herausforderung umzusehen. Und sie fand sie im Brot-Egge. „Die Arbeit mit Menschen ist für mich täglich eine Bereicherung“, sagt Monika Christen. Im Brot-Egge ist der Fokus der Arbeit aber ein etwas anderer als im Ur-Dörfli. Hier ist die dynamische Frau neben sozialarbeiterischen Tätigkeiten zuständig für den Auf- und Abbau sowie die Einsatzplanung des Pfuusbusses, die Vernetzung mit dem Sozialtreff in Seebach usw.

Ein Knopfdruck veränderte mein Leben.Monika Christen

Die Vielseitigkeit der Arbeit beflügelt Monika Christen. Am meisten jedoch liebt sie nach wie vor die Gäste, die die Anlaufstelle täglich aufsuchen. „Ich habe mit Menschen zu tun, die von der Gesellschaft als unnütz abgestempelt sind, die ich aber als höchst farbige und ehrliche Menschen kennengelernt habe.“ Es ist Monika Christen ein Anliegen, diesen Leuten eine Gesprächspartnerin und Stütze auf ihrem Weg zurück ins Leben zu sein. Den Wechsel von der glitzernden Bankenwelt, in der Schein oft mehr zählt als Sein, in die raue, oft harte Ur-Dörfli-Welt mit ihren drogenkranken aber dankbaren Menschen hat sie noch keinen Moment bereut. „Die Arbeit ist kräftezehrend“, findet Monika Christen. „Aber die Besucher sind meistens dankbar. Ich kann mir eine Rückkehr in die Welt der Banken nicht mehr vorstellen.“

Ihre Ansprüche haben sich gewandelt

Ihr Berufswechsel hat auch sie persönlich verändert. „Ich mag zwar auch heute noch schöne Schuhe und feines Essen“, erklärt Monika Christen. „Dies oder ein rassiges Auto oder exklusive Ferien sind für mich aber nicht mehr allein der Inbegriff von Luxus. Heute sind auch Kleinigkeiten wie ein Lächeln eines glücklichen Besuchers oder die Ruhe in den Bergen für mich Luxus.“